1. Wandertag der Landfrauen am 1. September 2013 in und um Philippsthal

Auf der Brücke zur Einheit
Auf der Brücke zur Einheit

Endlich war es soweit. Der erste Wandertag der Landfrauen fand in Philippsthal statt. Brigitte Weitz die erste Vorsitzende des BezirksLandfrauen Vereins und Schriftführerin des Landfrauenvereins Werratal begrüßte 23 Landfrauen, die sich auf den Weg gemacht hatten. Sie hatte eine kleine Rundtour zusammengestellt. Und schon ging es vom Parkplatz beim Freibad los. An der Kreuzung in der Ortsmitte wurden wir mit ersten Informationen über Philippsthal verssorgt. 4.200 Einwohner leben in Philippsthal und der größte Arbeitgeber vor Ort ist die Kali und Salz AG.

Weiter ging es zum ehemaligen Sperrgebiet. Die Teilung zwischen Osten und Westen lag vor uns. Heute verbindet eine Straße Philippsthal mit Vacha. Weiter liefen wir entlang der Straße auf dem einstigen Grenzpfad bis Vacha. Dort machten wir neben der „Brücke der Einheit“ eine kurze Rast. Im Jahr 1186 wurde erstmals die Werrabücke imm Bezug auf den sogenannten Via Regia (Handelsweg von Frankfurt am Main nach Leipzig) erwähnt. Anfang des 20. Jahrhunderts war das Bauwerk Teil der Reichsstraße 84. Aufgrund des Verlaufes der Innerdeutschen Grenze war das Bauwerk in den folgenden Jahrzehnten bis zur Grenzöffnung zwischen Vacha und Philippsthal gesperrt. Seit dem 3. Oktober 1990 heißt das Bauwerk auch „Brücke der Einheit“. In den Jahren 1993 und 1994 folgte unter Berücksichtigung der Denkmalpflege eine umfangreiche Instandsetzung. Heute wird das Bauwerk als Fuß- und Radwegbrücke genutzt. Auch wir benutzten diesen Weg Richtung geteiltes Haus.

Grenzziehung mitten durch die Hoßfeldsche Druckerei (Philippsthal-Vacha) bis 1976 (dieses Foto wurde nach der Wende aufgenommen).
Grenzziehung mitten durch die Hoßfeldsche Druckerei (Philippsthal-Vacha) bis 1976 (dieses Foto wurde nach der Wende aufgenommen).

Auf einer Hinweistafel konnten wir die Geschichte der Familie Hoßfeld lesen. Das Haus mit Wohnhaus und Druckerei wurde 1890 unmittelbar an der thüringischen Landesgrenze erbaut.

Als sich in den Nachkriegsjahren die Grenze mehr und mehr schloss, entstand ein Kuriosum: Die Grenze zwischen den Machtblöcken verlief mitten durch das Hoßfeldsche Haus. In der Silvesternacht 1951/52 wurden die Druckmaschinen wegen der Gefahr der Enteignung in den hessischen Gebäudeteil gebracht und die Verbindungstür zugemauert. Daraufhin verwehrte die DDR der Besitzerin jeglichen Zugang zu dieser Haushälfte und gestattete auch dringend notwendige Reparaturen nicht. In einem gemeinsamen Grenzabkommen vom 1. Januar 1976 verlief nun die Grenze in einigen Metern Abstand um das Haus.

Im Nu hatten wir 4 m zurückgelegt und standen vor dem Torbogenhaus des Schlosses. Es sollte zunächst abgerissen werden, wurde jedoch unter Denkmalschutz gestellt. Dadurch ergab sich die Möglichkeit, das Grenzmuseum zu verlagern. Das Grenzmuseum war bis zur Grenzöffnung 1989 eine Einrichtung des bundesdeutschen Grenzzolldienstes. Anhand von Filmen, einem Sandkastenmodell des Grenzabschnitts und von Exponaten (unter anderem einem selbstgebastelten Holzschuh, mit dem ein Flüchtling den engmaschigen Metallgitterzaun an der Grenze überwand) konnten wir uns über die Grenzanlagen, über geglückte und gescheiterte Fluchten und über das Leben auf der anderen Seite der Grenze informieren. Frau Elisabeth Hermann pflegt und hegt das Museum ehrenamtlich. Dieses Museum ist weiter zu empfehlen.

Ein paar Schritte weiter gelangten wir zum Schloss. Landgraf Philipp von Hessen-Philippsthal ließ 1685 dieses bauen, so erhielt der Ort auch seinen Namen. Heute beherbergt das Schloss die landgräfliche Bibliothek und das Rathaus mit einem repräsentativen Sitzungssaal der gern als Trauzimmer genutzt wird. Angrenzend befindet sich die Schloss-Kirche. Ein Unikat an der Hessich-Thüringschen Grenze. Sie wurde als Klosterkirche 1191 das erste Mal erwähnt. Jederzeit wieder einen Besuch wert. Vielleicht einmal zu einem Konzert.

Langsam wurden die Füße müde und wir sehnten uns nach heißem Kaffee. Aber erst durchquerten wir noch den Schlosspark in welchem sich die Kreuzberghalle mit seiner schönen Orangerie befindet. Eine schön gepflegte Anlage welche auch die älteren Bewohner des Kreuzberghauses (Altersheim) zu kleinen Ausflügen nutzen. Wir schauten auf die Uhr, 3 1/2 Stunden waren doch recht schnell vergangen. Eine Strecke von 5 km hatten wir zurückgelegt.

Im Kirchenhaus nahmen wir an der langen Kaffeetafel Platz. Die zum Teil mitgebrachten Torten und Kuchen mundeten bei Kaffee. Ein schöner Nachmittag der viele neue Eindrücke hinterlassen hat.

Danke an unsere Führerin und das Service-Personal.

Christiane Leister