Historische Wanderung am Eisenberg am 28. Oktober 2014

Landfrauen auf Spurensuche 

Vor einem Hügelgrab
Vor einem Hügelgrab

Der Landfrauenverein Aulatal hatte auf den Eisenberg eingeladen. Er ist die Perle des Knülls und mit 636 m über Null nicht nur die höchste, sondern auch die landschaftlich schönste Erhebung des Knüllgebirges. Rund um den Eisenberg findet man ein ideales Wandergebiet, das sich viel unzerstörte Natur bewahrt hat. Von den Basaltkuppen des Eisenbergs bieten sich dem Auge weite Ausblicke über eine bewegte, Wiesen durchsetzte Waldlandschaft und herrliche Fernsichten auf die größeren Nachbargebirge. Raue Bergwiesen, verträumte Talauen und viel stiller Wald bieten beim Wandern um den Eisenberg reichlich Abwechslung und doch zugleich beste Voraussetzung zu gelassener Entspannung. Zahlreiche ausgeschilderte Wanderwege erschließen den Eisenberg.

 

44 Frauen aus 10 Ortsvereinen begaben sich bei milden Temperaturen von 23C° auf den Archäologischen Wanderweg. Hierbei handelt es sich um einen 5,7 km langen Rundwanderweg mit geringer Steigung. Er liegt auf einer Höhe zwischen 450m und 540m über NN. Dort findet man Spuren aus 3000 jähriger Geschichte. Der Archäologische Wanderweg führt an sechs archäologischen Kulturdenkmälern aus vorgeschichtlicher, mittelalterlicher und neuerer Zeit vorbei.

Frau Ingrid Waldeck vom Geschichtsverein Bad Hersfeld führte uns auf dem historischen Pfad. Eine leichte Erhöhung war unser erster Anlaufpunkt. Sie zeigte uns gut erhaltene Hügelgräber. An so etwas wären wir doch achtlos vorbeigegangen. Schon spannend wie die Bestattungen im 1600 - 1200 Jahrhundert v. Chr. waren. Weiter ging es zu dem Meilerplatz. Die Reste eines Holzkohlenmeilers sind aus dem 17. bis 18. Jh. Sie schilderte uns wie vermutlich die Leute damals gelebt haben. Gemächlich gingen wir unter Kastanienbäumen hindurch Richtung Eisenteich. Dort befinden sich Überreste eines Eisen- (14. - 16. Jahrhundert) und eines Alaunbergwerks (16. Jahrhundert).

Das Eisenbergwerk war Eigentum der Reichsabtei Hersfeld. Das Eisenerz liegt dicht unter der Erdoberfläche. Das spätmittelalterliche Eisenbergwerk stammt aus dem 15. Jh. Das gewonnene Erz wurde in Eisenhütten, so genannten Waldschmieden, in den Tälern ausgeschmolzen. Die Wasserkraft der dortigen Bäche wurde für die benötigten Blaswerke genutzt. Der Eisenbergbau wurde endgültig um 1530 eingestellt.

 

1595 wurde im Bereich des ehemaligen Eisenbergwerks ein Alaunwerk angelegt. Das Alaunbergwerk mit der Alaunhütte wurde im 16. Jh. genutzt. Alaun wurde für Gerbereien, Färbereien und die Papierherstellung als Grundstoff genutzt. Mit einer Unterbrechung im Dreißigjährigen Krieg bestand das Alaunwerk bis 1705. Der reichhaltig geschmückte Grabstein des Alaunmeisters Johann Nolden von 1688 in Obergeis belegt den industriellen Aufschwung. Der unter dem Basalt gelegene Alaun wurde in Schächten abgetragen. Die Förderung erfolgte manuell durch Haspelknechte. Die chemische Aufbereitung des Alauns erfolgte beim Alaunbergwerk. Die Alaunerde wurde geröstet und anschließend unter Zugabe von Knabenurin im Laugenbecken für das Sieden vorbereitet. Nach der Aufbereitung im Klärbecken kam die Lauge zum Verdampfen in kupferne oder bleierne Sudpfannen, die von Siedeöfen beheizt wurden. Schließlich kristallisierte das Alaunsalz aus und konnte genutzt werden. An gleicher Stelle wurde im 19. Jahrhundert versucht Braunkohle zu gewinnen. Die Versuche blieben jedoch erfolglos. Erhalten blieben nur die Spuren von Versuchsschächten des Braunkohleabbaus.

Frau Waldeck hatte uns zusätzlich zu den Schautafeln noch Bildmaterial mitgebracht. Beeindruckend wie die Menschen sich doch damals geschunden haben.

Wir folgen der Markierung, auf einer Scheibe ist ein Türsturz mit Scheibenkreuz (Nachbildung aus dem Fund der Kapelle) versehen. So gelangten wir zu einem weiteren Hügelgrab. Wieder versteckt im Wald, wo man es nicht vermutet. Das vorgeschichtliche jungsteinzeitliche Hügelgrab wurde 1600 bis 1200 v. Chr. angelegt. Erkennbar ist das einzelne Hügelgrab durch den gleichmäßigen runden Erdhügel von 12 m Durchmesser. Meistens liegt in der Mitte eines runden Erdhügels die bronzezeitliche Körperbestattung, oft mit bronzenen Beigaben, manchmal sogar mit silbernen oder goldenen Schmucknadeln. Der Tote wurde mitsamt seinen metallenen Besitzständen in einen ausgehöhlten Baumstamm gelegt und meterhoch mit Erde bedeckt. Weiter höher im Hügel findet man häufig viel später eingegrabene Urnen als keltische Nachbestattungen. Die Gräber wurden oftmals tausend Jahre später erneut genutzt von Menschen die an der gleichen Stelle siedelten.  Ob es sich dabei um ihre direkten Vorfahren handelt, ist, wie vieles aus der Vorgeschichte unserer Region ungewiss. Bei diesem befindet sich in der Mitte eine Vertiefung von einer früheren Raubgrabung. Auch heute noch schwirren "Grabräuber" umher. Die mit technischen Hilfsmitteln wie Sonden die Gegend absuchen und wenn sie fündig werden, nicht selten archäologisch bedeutsame Anlagen öffnen, leer räumen und dabei auch beschädigen. Für Historiker, Denkmalschützer und Archäologen ist dies ein Frevel an der Geschichte. "Die Hügelgräber sind Teil unseres über Jahrhunderte vom Wald geschützten Kulturerbes". Selten werden solche Gräber als Versuchsobjekte an Universitäten, unter strengen Auflagen, mit behördlicher Genehmigung vergeben. Das unerlaubte öffnen wird Heutzutage strafrechtlich verfolgt. 

Zwei Stunden folgten wir nun schon dem Wanderweg, als wir zum Steinkreuz kamen. Ein Relikt aus dem späten Mittelalter, so aus dem 14. bis 15. Jh. Es ist ein Sühnekreuz oder ein Mordstein, ab 1300 soll es üblich gewesen sein, am Tatort oder dort, wo es die Angehörigen wünschten, ein steinernes „Sühnekreuz“ aufzustellen. Oftmals sind bei diesen Steinkreuzen Waffen eingeritzt, die als Mordwerkzeuge gedeutet werden. Wurde jemand im Streit oder anderweitig ohne Absicht getötet, musste der Schuldige mit der Familie des Opfers einig werden. Der geistesgeschichtliche Hintergrund ist der, dass in katholischer Zeit die Vorübergehenden angehalten werden sollten, Fürbittgebete für den ohne Sterbesakramente zu Tode Gekommenen zu halten. Deswegen gibt es in evangelischen Gegenden schlagartig etwa ab 1530 keine Steinkreuzsetzungen mehr. Wo dieses gefunden wurde weiß keiner mehr so genau.

 

Kurz innehalten und weiter ging es über die „Lange Wiese“ zur mittelalterlichen Kirchenruine der Wüstung Holnstein, sie stammt aus dem 12. bis 13. Jh. Neben Keramikscherben und Ofenhügeln aus dem 12.-14. Jh. im Bereich der langen Wiese, zeugen noch heute erkennbare Ackerterrassen vom einstigen dörflichen Leben der in dieser Zeit wüst gewordenen Ansiedlung. die lange und schmale Waldwiese am Südhang des Holnsteinkopfes heißt wie schon auf einer Karte von 1611 „Lange Wiese“, hier lag das mittelalterliche Dorf Holnstein, das aus unbekannten Gründen im 12.-14.Jh. verlassen wurde. Heute sind nur geringe Reste des sakralen Baues erhalten geblieben. Es wurde um das Jahr 1932 bei Wegeausbauarbeiten im Erdreich entdeckt; durch Ausgrabungen von einen Dr. Wesenstein, wurde 1936, der Rest einer Kapelle aus dem 12. Jh. freigelegt.


Drei Stunden waren wir mittlerweile unterwegs in Wald und Flur, „auf Spurensuche“, als wir wieder am Ausgangspunkt ankamen.  Der Archäologische Rundwanderweg ist weiter zu empfehlen. Zeugen einer Kulturlandschaft längst vergangener Zeiten!  

 

Nun hatten wir uns den Kaffee und die leckeren Torten redlich verdient. Die Landfrauen aus dem Aulatal hatten gemütlich im DGH Gersdorf eingedeckt. Muntere und heitere Gespräche nicht nur über die Wanderung wurden geführt. Ein schöner, informativer Nachmittag ging zu Ende. Einen herzlichen Dank an den Landfrauenverein Aulatal für die Ausrichtung des Wander-Nachmittags.

 

Wir freuen uns schon auf den nächsten am 31. Mai in Niederjossa