29. April 2018

 

Wanderung durch den alten Ortskern in Haunetal-Neukirchen

 

Neukirchen ist mit über 800 Einwohnern der größte Ort der Marktgemeinde, die aus 15 Ortsteilen besteht.

 

Durch die verkehrsgünstige Lage zwischen Hünfeld, Fulda und Bad Hersfeld entwickelt es sich zu einem beliebten Wohnstandort. Seit Mai 1998 darf die Bezeichnung "Marktgemeinde" geführt werden. Die Ersterwähnung findet sich in einer Urkunde aus dem Jahr 1263. In 2013 fand die 750 Jahrfeier statt.

Im alten Ortskern findet man einen nahezu vollständigen Bestand von von Fachwerkhäusern. Erbaut in der Zeit von 1648 - 1900.

Am 1. Februar 1971 wurde der damals zum Landkreis Hünfeld gehörende Ort in die neue Gemeinde Haunetal eingegliedert. 

Frau Evelyn Klaes begrüßte 54 Landfrauen aus den umliegenden Ortsvereinen. Da Herr Pfarrer Funk verhindert war übernahm Herr Christmann aus Burghaun die Erklärung in der ev. Kirche.

Es ist eine spätgothische Kirche mit 2 Emporen und einem Hochaltar. Die Besonderheit ist der große Flügelaltar. 

Nun teilten sich die Landfrauen, vor dem Dietrich Bonhoeffer-Haus, in zwei Gruppen auf. Es war vormals die alte Grund- und Hauptschule mit Lehrerhaus. Bis 1967 wurden die Kinder aus Neukirchen und Mauers in 3 Klassenräumen unterreichtet. Ab September 1967 ging es in die neugebaute Mittelpunktschule. Die Kirchengemeinde Neukirchen erwarb das alte Gebäude und baute es um. Heute beherbergt es die Kindergruppe unter 3 Jahren die "KIrchenmäuse". 

 

 

Um die Ecke am Kirchberg 1 - steht das wahrscheinlich älteste Haus im alten Ortskern. Datiert auf das Jahr 1553.

 

Langsam ging man über die Bahnbrücke und blickte auf den Bahnhof.

 

Das alte Gebäude, ist heute in Privatbesitz, der Besitzer weiß nicht so recht was er damit anfangen soll - für die Fahrgäste gibt es nun kein Aufenthaltsraum und keine Toiletten mehr.

 

Die Bahnstrecke wurde 1866 von Bebra über Neukirchen nach Fulda gebaut. Der Güterschuppen im Hintergrund war damals wichtig für die Anlieferungen, hier wurde der erste Schlepper für das Haunetal abgeladen. Der Bahnhof ist die Verbindung zum Rest der Welt - Stündlich fährt der Cantus in beide Richtungen. 

Hier blicken wir auf das Haus Nr. 22 den ehemaligen Kolonialwarenladen mit Bäckerei. Das Brot konnte zum Backen gebracht werden. Der bis 1980 von Dora Schellenberg als Spar-Laden geführt wurde. Daneben im Haus Nr. 24 die ehemalige Poststation, die Poststube befand sich im Erdgeschoss. Hier hielt die Postkutsche zwischen Hünfeld und Hersfeld um die Pferde für die Weiterfahrt zu wechseln. Diese standen gegenüber bei "Ehme" im Hof. Und vor dem Brunnen, auf dem heute der "Neukirchner Pflasterhüpfer" zu sehen ist, befand sich die Milchbank. Nebenan befand sich der Friseur Eckhardt und im Haus in der Kurve die Schmiede.

Etwas weiter auf der rechten Seite der Hauptstraße befindet sich an den haus Nr. 26 eine Gedenktafel. zu Ehren von Konrad Zuse.

Im September 1949 kam er hier mit der Rechenanlage Z4 aus Hopferau mit dem Zug an. Deren Bau hatte 1942 begonnen und konnte in Berlin nicht mehr fertiggestellt werden. Sie wurde als einzige vor der Zerstörung gerettet und in Hopferau im Allgäu untergebracht. Die Z4 war die Erweiterung der Z3 und sollte in Serie für Ingenieurbüros hergestellt werden. Neue Räumlichkeiten fand man nun in Neukirchen. Theodor Schott stellte diese zur Verfügung und im Oktober 1949 wurde die Zuse AG gegründet.

Die 1. Computerfirma, die Computer in Serie produzierte.

Zuse Lebte von 1949 bis 1955 in Neukirchen und später in Hünfeld. In bescheidenen Verhältnissen wuchsen die 3 Kinder, Horst, Monika und Ernst auf.

2003 gab es das 1. Zuseaner-Treffen ehemaliger Mitarbeiter, geleitet von Horst Zuse, er will in Zusammenarbeit mit der K-Z-Gesellschaft jungen Menschen die Persönlichkeit und das Wirken Konrad Zuses, der auch Maler war, näherbringen.

Nachdem Zuse nach Bad Hersfeld gegangen war wurde das Gebäude von der Näherei Mack genutzt. 

Landwirtschaft in Neukirchen

 

Bis 1980 wurde nach außen das Bild einer intakten Landwirtschaft vermittelt, rentabel war sie nicht mehr. Die Hoferben verabschiedeten sich einer nach dem anderer von der Landwirtschaft die älteren bauern machten weiter, solange es ging. Kühe wurden zuerst abgeschafft, Schweine- und Rinderhaltung oder Getreideerzeugnisse in kleinem Umfang weiter betrieben.

Von vormals 41 Milchbauern hatten bis 1980 3/4 die Milchwirtschaft aufgegeben. Am 13. November 1995 kam das Milchauto zum letzten Mal nach Neukirchen. Die letzten beiden Kühe standen bei Hans und Annemarie Huff, deren Milch für den Eigenbedarf verwendet wurde. 1999 verschwand auch die letzt Kuh aus Neukirchen.

Nun war es kein Bauerndorf mehr. Die Wiesen und Felder werden nun von den Bauern der Nachbardörfern bewirtschaftet.

Das Haus Nr. 25 gehörte ursprünglich der Gemeinde und war die Wohnung des Ortsdieners und Nachtwächters. Später betrieb die Familie Heesch dort eine Tankstelle. Diese wechselte dann über auf das Nachbargrundstück. Wo sich einst eine Schmiede und zwei Behelfsheime befanden. Wir gehen weiter zum Kreuzungsbereich. Hier befand sich die ehemalige Apotheke. Ab 1949 konnte man hier außer Medikamenten und  Drogerieartikeln auch Schulhefte, zur Faschingszeit Luftschlangen u.a. lustige Artikel kaufen.

Die Besonderheit leisteten sich die Herren, hier konnten sie einzelne Zigarren kaufen. Im Kreuzungsbereich endet der alte Ortskern.

Ab hier gab es keine Gehöfte mehr. Richtung Ortsausgang befand sich eine Mosterei, eine Schlittenfabrik (jetzt Kavia-Kompanie) und ein Tante Emma Laden.

Desweiteren hat Neukirchen eine gute Infrastruktur. Es gibt einen Kindergarten, eine Grundschule, zwei Geldinstitute, ein Edekamarkt mit Poststelle, ein Blumenladen, ein Ärztehaus mit drei Ärzten verschiedener Fachrichtungen, ein Zahnarzt und ein allgemein Mediziner, desweiteren die Gemeindeverwaltung, Feuerwehr und Rettungswache und die Gaststätte Rustikana.

Und seit 1990 gibt es den Bauernmarkt. Ursprünglich präsentierten hier die Haunetaler Landwirte ihre Erzeugnisse im Frühjahr und im Herbst, Jetzt gibt es auch andere Anbieter. Wobei auch die Landfrauen ihre leckeren Kuchen zum Verkauf anbieten.

Auch seltsame Gebäude stehen in Neukirchen

Langsam schließt sich der Kreis des alten Ortskerns. Wir gelangten an den Brunnenring. Hier steht noch der alte Ziehbrunnen von 1616, und im rückwärtigen Bereich das schön renovierte Fachwerkhaus des Malermeisters Kümpel daneben wohnte der Tierarzt Brendecke.

Auf der Ecke Mittelstraße/Braugasse stand das ehemalige Brauhaus mit Gefängniszelle, Viehwaage und Backhaus.

Wir folgten der letzten Pflasterstraße in Neukirchen zum Doppelhof Ruppel-Schott. Drei Schott-Generationen stellten den Bürgermeister alle hießen Johannes. Das Dorf erhielt 1963 Kanalisation.

Oben auf der Hauptstraße angelangt steht die Gaststätte "Zur Mitte". 1827 von der Gemeinde als 2. Gaststätte erbaut, mit angrenzender Metzgerei und Saal für Kirmes und andere Feierlichkeiten.

1968 verkaufte die Gemeinde das Anwesen. Heutiger Besitzer Gernot Adolph.

Inschrift am Gesims: 

Die Gemein an diesem Ort hat mich hier aufgestellt. Zu einer gemeinen Schenk ein jeder nach seinem Geld, Verkauften Wein und Bier, das hier ein jeder braut, hier wird es eingeschenkt drum ist dies Haus erbaut. 

In der Hauptstraße Nr. 11 war die Geburtsstätte des Heimatdichters Heinrich Ruppel (1886-1974). Er schrieb Gedichte, Erzählungen und Schwänke in Mundart aus der Gegend rund um Neukirchen. Ruppel fand in seinem Heimatdorf erst spät Anerkennung. Zwei Jahre nach seinem Tod wurde die Gedenktafel angebracht. Eine weitere Ehrung war die Benennung der Heinrich-Ruppel-Straße. Dort steht auch die hiesige Grundschule.

Gegenüber der Hauptstraße 11 die ehemalige Pizzeria Siciliana, sie fiel im Oktober 2012 einem Großbrand zum Opfer. Früher war es das gemeindeeigene Gasthaus "Zum Burggraben". Im dazugehörenden Saal fanden die jährlichen Kirmesfeiern statt. Er war in Nischen unterteilt (jede Familie bekam eine Niesche) Wegen der kleinen Tanzfläche mussten die Tanzpaare zum Wechsel anstehen. Später wurden im Saal Flüchtlinge aufgenommen.

 

Richtung Ortsausgang befand sich die Schumacherwerkstatt Leister.

Und vor dem Friedhof ist heute eine Schreinerei mit Bestattungsunternehmen.

 

Der Pfarrgasse folgend steht man vor dem reich verzierten Fachwerkhaus aus dem Jahre 1686. Geschnitzte Eckpfosten mit Weinranken und das Gesims mit Strick- und Schildblattornamenten verziert, sowie ein geflügelter Engelskopf über dem Türsturz. Nun endet der Rundgang und wir freuten uns auf Kaffee und Kuchen im Dietrich-Bonhoeffer-Haus.

 

 

 

Ein besonderer Tag geht zu Ende.

 

Danke an die beiden Orts-Führerinnen Evelyn Klaes und Erna Jozwiak.

 

Aber auch den fleißigen Helfern im Hintergund.